

Yacht-Club Mittelrhein gewinnt bei der Aktion „Immer am Ball“. Überzeugendes Konzept: Jugendabteilung verwaltet sich selbst, Ältere bilden Jüngere aus
Die Jugendabteilung ist für den Yacht-Club Mittelrhein das, was für die Industriestaaten die Entwicklungsländer sind. Der Verein leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Er stellt für seine Jugendlichen die Rahmenbedingungen her, ermöglicht Training und Ausbildung in einem geschützten Rahmen, überlässt aber das Wie und Wann der Jugendabteilung selbst. Das ist große Erziehungskunst.
An einem wunderschönen Trainings-Samstag plaudert Bendix Landmann über die Entwicklung des Vereins im Allgemeinen und der Jugendabteilung im Speziellen. Das schwimmende Vereinsheim liegt im Hafen von Remagen-Oberwinter, dennoch kommen immer noch zwei Drittel der Mitglieder aus Bonn, berichtet Landmann. Vor mehr als 60 Jahren wurde der Verein in Bad Godesberg gegründet.

Heute sind die meisten Mitglieder älter als 45 Jahre. Glücklicherweise gibt es parallel eine sehr aktive Jugendabteilung, die Jüngere an den Segelsport heranführt. Dabei ist Jugend in diesem Fall weit gefasst und reicht bis zum Alter von 26 Jahren. Die Älteren dieser Jugendlichen begleiten die jüngeren Vereinsmitglieder, zeigen ihnen Tricks und Kniffe.
„Alles selbst organisiert“, berichtet Simon Zimmermann. Der Jugendwart ist zwar erst 23 Jahre alt, aber schon seit sechs Jahren im Vorstand tätig. „Ich habe genauso angefangen wie meine Kleinen“, berichtet Zimmermann. Mit 14 trat er in den Verein ein, aber nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – durch seine Eltern. Es war genau umgekehrt: „Ich habe meine Eltern zum Segeln gebracht. Drei Jahre später fuhren sie mit einem eigenen Boot durch Holland.“ Man spürt, dass Zimmermanns Begeisterung ansteckend ist. In seinem zweiten Amtsjahr hat die Abteilung 35 bis 40 Jugendliche, er und sein Stellvertreter Mirko Gemein haben an den Trainings-Samstagen jede Menge zu tun: „Wenn alle kommen, sind wir überlaufen.“

Der Yacht-Club freut sich sehr darüber, dass er als erster Segelverein bei der Aktion „Immer am Ball“ ausgezeichnet wurde. Gleich drei neue Segel mit „SWB Energie und Wasser“-Schriftzug machen weitere Ausbildungsboote mit dem positiv besetzten Namen „Optimisten“ wassertauglich. Vorsitzender Landmann sagt, es sei schwierig, in der heutigen Zeit Unterstützung zu erhalten. SWB Energie und Wasser sei da ein positives Gegenbeispiel.
Landmann ist nicht nur deswegen zuversichtlich, was die Jugendarbeit angeht. Er berichtet von einem ebenso interessierten wie versierten Stamm von mittelalten und älteren Jugendlichen, die das Ruder in die Hand genommen haben. Selbstverwaltung führt zu einer höheren Identifikation der Jugendlichen mit der Gruppe, glaubt Landmann. Beleg dafür, dass es stimmt, ist der zweite Gewinn des Jugendförderpreises bei der Rheinwoche. Das ist eine seit 1922 regelmäßig stattfindende Binnen-Regatta. Dabei werden in neun Tagen bis zu 140 Flusskilometer zurückgelegt. „In diesem Jahr waren wir der startende Verein, und es ging bis Krefeld.“

Der Vorsitzende ist froh darüber, dass die Jugendlichen im geschützten Bereich des Oberwinterer Hafens üben können. Von Frühjahr bis Herbst treffen sie sich samstags ab 14 Uhr, beginnen mit dem Fertigmachen des Bootes, lernen die wichtigsten Handgriffe für erfolgreiche Seemannschaft, segeln und tauschen sich aus. Die „Optimisten“ sind Einhandsegler. „Damit merkt der Schüler sofort, wie das Boot reagiert“, so Landmann, „wie er das Segel stellen muss, um vorwärts zu kommen und die Geschwindigkeit zu erhöhen.“
An diesem Samstag nutzen Dominic (8), Sophie und Valerie (beide 9) das schöne Wetter, um unter der Anleitung von Martin Rörig (16) zu üben. Aber nicht nur das: Nach der Trainingseinheit wollen sie kentern. Kein Witz: Gezieltes Kentern unter Aufsicht und mit Anleitung macht sogar richtig Spaß, wenn man den Nachwuchsseglern glaubt. Trainer Rörig willigt jedenfalls schnell ein: Wenn seine Schützlinge unbedingt wollen, „dann kenter ich vor“. (sst)