Unsere kleine WM-Geschichte

1954: Das Schnür-Trikot von Fritz Walter und Co.

Eine Zeitreise in Vier-Jahres-Schritten mit persönlichen Erinnerungen und den schönsten deutschen Trikots

Fußballfreunde sind rhythmische Wesen. Sie erinnern sich WM-bedingt in Vier-Jahres-Abständen. Die meisten wissen noch ganz genau, was sie in den Jahren der Fußballweltmeisterschaft gemacht haben. Deshalb  erinnern wir uns gerne hier an die bisher bewusst miterlebten WM-Turniere. Erwähnt werden sollen auch die Weltmeisterjahre 1954 und 1974, obwohl der Autor dieser Zeilen da noch nicht auf der Welt war. Dazu gibt es die schönsten bundesdeutschen WM-Trikots.

1974: Schlicht, nüchtern, aber effektiv - der Schwarzenbeck-Look.

1954: Elf Freunde müsst ihr sein. Das Sepp-Herberger-Turnier in der Schweiz gilt als Geburtsstunde der deutschen Fußballweisheit. Der Geist von Spiez, das Fritz-Walter-Wetter und der Superkommentar von Herbert Zimmermann: Wer das nachvollziehen will, möge das „Wunder von Bern“ anschauen, ein Film von Sönke Wortmann, der einem das Herz weit öffnet. Weit, weit, weit!

1974: Der Beweis dafür, dass Holland häufig den schönsten Fußball spielt, aber eben nicht immer den erfolgreichsten. Nach dem legendären 0:1 gegen die DDR ging es für die Truppe von Helmut Schön nur noch aufwärts - und einem überragenden Sepp Maier sei Dank auch bis ganz oben aufs Treppchen.

1982: Dazu noch Paul-Breitner-Locken, und die Party kann steigen.

1982: Das 1:3 im Finale gegen Italien – wen kümmert’s noch? Das Spiel dieser WM spielten die Deutschen im Halbfinale gegen Frankreich. Nach dem 3:3 nach Verlängerung holte ausgerechnet der tragische Held Toni Schumacher zwei Franzosen-Elfer aus den Ecken. Toni der Battiston-Fouler rettete seinem Kameraden Uli Stielike den Kopf. Eine Szene, die kickende Jungs später immer wieder nachspielten: Stielike verschießt. Blitzefänger Schumacher hält einmal, wenig später hält er ein zweites Mal. Finale!

1986: Nächtliche Übertragungen aus dem heißen Mexiko. Spannende Spiele mit Rummenige, Briegel, Matthäus, Rolff, Allofs und natürlich Elfmetertöter Schumacher. Gegen Mexiko hielt er wieder einen nach dem anderen und brachte im Halbfinale die Franzosen in Verzweiflung, dafür aber Rudi Völler mit einem unglaublichen Abwurf in Stellung zum 2:0. Im Finale reichte es wieder nicht, Toni der gelbe Schmetterling segelte an einer Flanke vorbei. Nach 0:2 noch 2:2, doch Maradona und Co. versetzten den Deutschen kurz vor Schluss den Todesstoß. 3:2. Die Kleine-Jungen-Tränen waren nie so groß wie nach dieser Niederlage.

1990: So gehen Sieger aufs Feld.

1990: Das „Alles wird gut“-Turnier. Der beste Matthäus aller Zeiten, ein genialer Brehme und ein unermüdlich rackernder Klinsi, dazu Lama-Opfer Völler, die feixenden Kölner Icke und Litti sowie ein baumlanger Bodo Illgner, der zufällig im Halbfinale einen englischen Elfer ans Knie bekam. Wer sich das Finale heute noch mal anguckt, sieht eine drückend überlegene deutsche Elf, einen leidenden Maradona und einen Brehme, der nicht denkt, sondern einfach trifft. Ein Traum!

1994: Damit war gegen Bulgarien im Viertelfinale Schluss.

1994: Das Turnier des schweren Erbes von Berti Vogts. Warum musste Mega-Beckenbauer auch noch prahlen, dass die deutsche Elf mit den Kickern der DDR nun auf Jahre unschlagbar sei? Da möchte man doch den Effe-Finger zeigen! Naja, Berti gab sich Mühe, doch dann kamen die Bulgaren und freistoßten uns raus. Bitter.

1998: Ging’s dann so weiter. Kein deutscher Zidane weit und breit, kein Geist, der durch die Mannschaft wehte. Statt dessen nur Wörns’sche Tugenden und blitzschnelle Kroaten, die dem Europameister im Viertelfinale den Garaus machten.

2002: Am Ende dann doch kein Glücksbringer.

2002: Die WM und Japan und Südkorea machte die Redaktionsstuben zu WM-Studios. Redakteure verzogen sich am helllichten Tag zum Fußballgucken in den Konferenzraum. Beliebtester Reporter-Termin: Vorrunden-Fußball gucken in der kleinen Kneipe in unserer Straße. Wieder tragisch: Der geniale Kahn vergeigt ausgerechnet im Endspiel gegen Brasilien, und Ballack wird zum ersten Mal so richtig Zweiter – und auch noch, ohne eingreifen zu können, weil gelb-gesperrt. Ganz bitter für den Mittelfeldstrategen.

2006: Das Heldenkleid aus dem Sommermärchen.

2006: Das Sommermärchen, die vierwöchige bundesdeutsche Riesenfete, machte alle glücklich. Poldi und Schweini, Super-Klose und Zettel-Lehmann, Motivator Klinsi und sein fleißiger Schattenmann Löw. War das schön! Gerade der Zittersieg gegen die argentinischen Gauchos kostete Nerven. Schade, dass ausgerechnet der italienische Minimalistenfußball der deutschen Hauruck-hurra-Spaß-Truppe die Laune verdarb. Dieser Weg wird kein leichter sein, sang der Xaver. Aber Weltmeister der Herzen ist ja auch nicht schlecht.

2010: Und diesmal? Wird alles Lena-mäßig super gut ausgehen? Wir werden sehen... (sst)            

 


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