Wie ein kleines Dorf im besetzten Gallien

Da staunt selbst der Gastgeberhund über die Trikots der Sportfreunde Beuel.

Die A-Jugend der Sportfreunde Beuel ist die Nachwuchsschmiede des  19 Jahre jungen Fußballvereins. Ein Besuch beim letzten Auswärtsspiel
Heiße Diskussionen in der Kabine der Sportfreunde Beuel. Vor dem letzten Saisonspiel in der A-Jugend-Sondergruppe bei Blau-Weiß Friesdorf gibt es nämlich ein kleines Problem: Der etatmäßige Torwart Jens (17) kann heute nicht den „Schnapper“ machen, weil ihm bei der Arbeit im Baumarkt eine Holzplatte auf die Finger geknallt ist, wie er sagt. Auch in der A-Jugend ist es nicht anders, als früher auf dem Bolzplatz: Freiwillig will niemand in den Kasten. „Wer als Letzter sein Trikot anhat, muss ins Tor.“
Vorstopper Fabian (17) macht es schließlich – und schlägt sich bravourös, entschärft in Halbzeit eins einen Unhaltbaren und sichert seinem Team damit das 1:0 zur Pause. Torhüter Jens beißt sich derweil im Mittelfeld durch. Torgefährlich ist er: „Ich habe als Torwart sechs Saisontore.“ Drei davon waren Elfer, trotzdem Respekt, das schaffte in der Bundesliga meist nur ein Hans-Jörg Butt.

Volle Konzentration beim Einwurf.

Die A-Jugend-Sondergruppe war in diesem Jahr „total chaotisch“, sagt Trainer Thorsten Kufahl, der außerdem Gründungsmitglied und erster Vorsitzender der Sportfreunde ist. „Jede Woche war ein anderer oben.“ Die Sportfreunde aus Beuel waren Herbstmeister, wieder einmal ein Beispiel dafür, wie ein kleiner Verein mit Mannschaftsgeist und technisch ansprechendem Fußball mit den Großen mithalten kann.
Besonders gefreut hat sich die Mannschaft über die neuen Trikots der SWB Energie und Wasser. „Für uns ist diese Geschichte wie ein Sechser im Lotto“, sagt Kufahl. „Die Top-Trikots machen ungemein was her.“
Ausgewählt wurde das Team, weil der Verein sich quasi seit seiner Gründung vor 19 Jahren durchkämpft wie ein Dorf im besetzten Gallien. Zwar hat der Verein nur rund 200 Mitglieder und „kein Dorf im Rücken“, das mit Sponsoring aushelfen könnte. Dennoch ist den Sportfreunden laut Kufahl gelungen, mittlerweile 45 A-Jugend-Spieler in den Kader der ersten Mannschaft in der Kreisliga B zu integrieren. Kufahl kritisiert, dass schon Teams in der Kreisliga B zusammen gekauft werden und gute Torjäger lukrative Angebote bekommen, wenn ihr Name ein paar Mal nacheinander in der Zeitung auftaucht. „Da können wir als Sportfreunde nicht mithalten.“ Deshalb setzt der Verein auf die eigene Jugend, auf Teamgeist und spielerischen Anspruch. Die Heimspiele werden an der Gesamtschule Beuel ausgetragen, entweder auf Asche oder Rasen.

Torhüter Jens macht auch auf dem Feld eine gute Figur.

Kufahl würde sich manchmal nur etwas mehr Unterstützung im Jugendbereich wünschen. Zurzeit wird ein D-Jugend-Betreuer dringend gesucht. Es sei schwer, Helfer von außen zu finden, die nicht Vater eines kickenden Sohnes sind und den Junior durch die Altersgruppen begleiten. „Keine Zeit zu haben, ist heutzutage sehr einfach“, sagt Kufahl. Trotzdem sei es möglich, Beruf, Familie, Hausbau, Vereinsvorsitz und Training unter einen Hut zu bringen.
Die Stimmung in der Mannschaft scheint jedenfalls sehr gut zu sein. Das bestätigt Torhüter Jens, während er auf seine Einwechslung wartet: „Wir sind miteinander befreundet und gehen am Wochenende auch schon mal miteinander weg.“ Viele treffen sich auch außer der Reihe zum Fußball. „Es ist immer ganz lustig.“ Und das nicht nur bei der „Wahl“ eines Ersatztorwarts. (sas)
Weitere Informationen: www.sportfreunde-beuel.de

 


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