Der erste Rausch der Kindheit

Das Starterset zur WM 2010: Panini-Album und Sticker.

Vorsicht: WM-Fußballbilder sammeln kann süchtig machen. Tipps zur Tütchenbeschaffung ohne Taschengelderhöhung

„Der erste Rausch meiner Kindheit. Welch süßes Geschenk und gleichzeitig welch harter Wettkampf dahintersteckte. Die ersten geschäftlichen Ellbogen wurden ausgefahren, taktische Maßnahmen zum vorteilhaften Tausch angewandt, Freunde betrogen und Feinde geblendet, Eltern beraubt und Mädchen vernachlässigt. Damals, heute, immer!“ So beschreibt Flori Rakete, Schlagzeuger der Band „Sportfreunde Stiller“, seine Liebe zu den Panini-Fußballbildern. Diese Zeilen aus dem Buch „You´ll never walk alone“ sprechen all jenen aus der Seele, die selbst einmal dem Fußballbildersammelwahn verfallen sind.

Es ist wie eine Sucht - auch schon vor 24 Jahren: Die Fußball-WM 1986 in Mexiko stand an - und damit auch das nächste Panini-Album mit Stickern von Schumacher, Maradona, Platini, Sokrates. Die Tütchen kosteten damals noch um die 30 Pfennig - heute zahlt der Sammler 50 Cent für fünf Bildchen. Aber den bei mehreren hundert Bildern zu erwartenden Kosten stand damals auf der Haben-Seite nur ein Taschengeld von zwei Mark wöchentlich gegenüber, was für einen Elfjährigen eigentlich schon recht viel ist. Zu wenig aber für ein zu füllendes Album.

Oma anpumpen und Flaschen sammeln

Was also tun, um an Geld zu kommen, wenn die Erstkommunion schon hinter einem liegt und der nächste Geburtstag und Weihnachten noch so fern sind? Eine beliebte Geldquelle sind Großeltern und die Schlüsselfrage „Soll ich für dich einkaufen gehen und die Taschen zurückschleppen?“ Da fielen immer ein, zwei Tütchen ab. Ebenso beliebt: das Pfandflaschensammeln nach großen Open-Air-Veranstaltungen, was auch ohne Einwegpfand schon recht attraktiv war. Vier leere Bierflaschen machten ein neues Tütchen.

Neuer Name, alte Idee: In Duplo und Co. liegen auch schon seit Jahren WM-Bilder, allerdings nur von deutschen Kickern.

Wenn gar nichts mehr half, musste das Sparschwein dran glauben. Aber nicht mit der Hammermethode! Damit die Eltern nichts bemerkten, empfahl sich der Griff zum Brotmesser, um mit einigem Geschick und Geduld „Heiermänner“ und Zwei-Mark-Stücke wieder aus dem Einwurfschlitz herauszubefördern.

Heutzutage sind viele Spardosen nicht mehr dazu geeignet, weil zu sicher konstruiert. Die Bildchen werden aber nach wie vor gesammelt. Von Kindern wie Erwachsenen, wie einige Bonner Kioskbetreiber versichern. In Deutschland wirft Panini zur WM allein rund 35 Millionen Tütchen auf den Markt.

In keiner Tüte wird der Sammler den deutschen Stürmer Kevin Kuranyi finden. Denn ob Bundestrainer Jogi Löw den Schalker begnadigt, war bei Redaktionsschluss noch offen. Das gilt auch für „Goal“, die einzig ernst zu nehmende Sammel-Alternative von Ferrero und Kicker. Nur deutsche Bildchen gibt es in längsten Pralinen oder Haselnusstafeln. (sst)

 


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