

Der SV RW Merl ist eine der ersten Adressen in Sachen Mädchenfußball
Wer spricht schon noch vom 30. September, dem Tag, an dem "wir" Weltmeisterinnen wurden? Wie hoch gewann die DFB-Elf noch gleich gegen Brasilien? Und wie hieß die Titanin, die beim Stande von 1:0 für Deutschland einen Elfmeter von wem noch mal hielt? Richtig: Nadine Angerer gegen Marta, Endstand 2:0.
Kein Public Viewing, keine wehenden Fahnen, keine Herbstmärchen-Stimmung, beklagte die Autorin Annett Gröschner in einem Beitrag für "Die Zeit". Zitat: "Leider ist die Meinung immer noch verbreitet, dass Frauenfußball langsam und unathletisch, also langweilig sei."
Wenn Fußballdeutschland - und der DFB im Besonderen - so denken würde wie die Verantwortlichen beim SV Rot-Weiß Merl, dann wäre die Aufmerksamkeit für kickende Damen und Mädchen größer. "Dieser Verein hat absolut was für Frauen und Mädchen übrig", sagt Hans-Jürgen Bauer. 13 Jahre hat der Trainer Mädchen- und Frauenteams betreut - vom Jugendbereich bis zur Verbandsliga.
In der vergangenen Saison wurde Bauer mit den Merler D-Juniorinnen Kreismeister - bei nur einem Minuspunkt in der ganzen Saison. Natürlich streben die U 13-Juniorinnen erneut die Meisterschaft an.
Ein Kader von 14 Mädchen steht Bauer für die 7er-Mannschaft zur Verfügung, die das Projekt Titelverteidigung angeht. Die Mannschaft, so Bauer, sei eine eingeschworene Truppe: "Sonst kann man solche Erfolge gar nicht erringen." Viele haben schon früh in weiblichen Jugendmannschaften gespielt und sich dort die nötige Reife und Härte erarbeitet, sagt der Trainer. Er predige seinen Spielerinnen immer: "Ihr seid ein Team. Und nur im Team kann man gewinnen."
Das wollen die D-Juniorinnen in dieser Saison in den neuen Trikots tun, die sie bei der Aktion "Immer am Ball" der Stadwerke Bonn (SWB) Energie und Wasser und des General-Anzeigers gewonnen haben.
"Eine tolle Sache, dass wir ausgewählt wurden", sagt Bauer zur Aktion. Die Trikotspende sei sehr wichtig, weil die Mädchenabteilung ohne Sponsoring nicht überleben könne. Das bestätigt Roland Scheffler, Vorsitzender des Fördervereins Mädchen- und Frauenfußball im SV RW Merl. Nur von den Beiträgen sei der Spielbetrieb mit drei Damen-Mannschaften und mehr als 60 Mädchen in vier Jugendteams nicht zu finanzieren.
Scheffler wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für den Frauen- und Mädchenfußball, mehr Zuschauer und mehr Respekt von der Männerwelt. Denn so mancher Kreisklassen-Spieler sei der Meinung, "besser" zu sein als die Regionalliga-Damen; immerhin die dritthöchste Spielklasse im Frauenfußball. Ein Problem ist es laut Bauer, dass es keinen Spielbetrieb für A-Juniorinnen gibt. Talentierte Kickerinnen müssen so nach der B-Jugend direkt in die Damen-Mannschaften wechseln.

Ein schwerer Sprung, den Bauer der 13-jährigen Steffi Lotzien zutraut. Sie spielte in der Erfolgsmannschaft des Vorjahres und kickt nun in der U 15. Über das D-Meister-Team sagt Steffi: "Das Motto `Alle für eine - eine für alle' wird im Team gelebt. Keiner wird ausgegrenzt und alle sind so begeistert, dass kaum ein Training ausgelassen wird."
Die Nachwuchsförderung beim SV RW Merl kommt offenbar gut an. Jugendleiter Hanns-Werner Saterdag berichtet, dass schon die letzte Frauen-WM einen kleinen Boom ausgelöst habe: "Was wir vor 20 Jahren bei den Jungs hatten, das haben wir heute bei den Mädchen." (sas)
Weitere Infos: www.rwmerl-damen.de