Sturm ohne Rückwärtsdrang

Eine lustige Truppe: Die offensiv ausgerichtete D-Jugend des SV Ennert-Küdinghoven.

Die D-Jugend des SV Ennert-Küdinghoven spielt in der falschen Gruppe, schlägt sich dafür aber tapfer

Die D-Jugendlichen des SV Ennert-Küdinghoven sind zwar gerade mal höchstens elf oder zwölf Jahre alt, aber schon echte Medienprofis. Wofür mancher Bundesliga-Profi mitunter Jahre und mehrere Rhetorik-Kurse braucht, das meistern die Jungs beim Trainingsabend auf dem Sportplatz auf dem Finkenberg in Limperich ganz spontan mit einer gehörigen Portion Humor. Nur stillhalten können die Jungen an diesem Abend vor lauter Aufregung nicht.

Der Torwart: Fels in der Brandung

Felix (12) steht nicht immer gerne im Tor des SV Ennert-Küdinghoven. Warum? „Wir verlieren fast jedes Spiel, weil wir nicht stark genug sind.“ Das heißt für Felix: Er muss mehr Bälle aus dem Netz holen, als ihm lieb ist. Sein Vorbild heißt René Adler. Und warum nicht der Neuer? „Weil ich Leverkusen-Fan bin.“ Wer Meister wird, ist trotz der schwarz-gelben Borussenmacht ganz klar: Bayer 04 natürlich. Felix findet, in seiner Mannschaft spielen ausnahmslos „nette Typen“, außer wenn sie an seinen Leistungen herummäkeln. Es nervt schon, wenn die Kollegen immer wieder fragen: „Warum hast du den denn nicht gehalten?“ Dann gibt’s zwei Möglichkeiten: Milde lächeln oder sagen: Macht’s doch erst mal besser. Aber das will dann auch keiner.

So halten sich Profis fit: Christian klimmzugt am Querbalken.

Die Abwehr: Viel gescholten, aber tapfer

Maximilian (12) spielt hinten halbrechts und ist absolut nicht auf den Mund gefallen. „Die Mannschaft ist spannend, witzig und gut“, sprudelt es aus ihm heraus. „Nette Truppe“, findet er. „Man kann sich gut mit denen verstehen. Und wenn wir gewinnen, dann gewinnen wir hoch.“ Leider passiert das nicht so oft, weil das Team in die falsche Gruppe gesteckt wurde, in der man meist gegen Ältere antreten muss. „Trotzdem sind wir nicht auf dem letzten Platz“, sagt Maximilian stolz. Merke: Erfolge sollte man auch daran messen, unter welchen Voraussetzungen sie zustande kommen.

Kevin (11) glaubt, dass auf dem Spielfeld noch nicht alles so glatt geht, wie es gehen sollte. „Weil wir die Abseitsfalle noch nicht so gut nutzen.“ An der Feinabstimmung hapert es ab und zu. Und wenn der Schuss mal nach hinten losgeht, neigen die Ballkünstler des SV Ennert-Küdinghoven manchmal dazu, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Danny (12) ergänzt, dass der fast schon englisch anmutende Versuch, sehr schnell und umgehend in die Spitze zu spielen, eben manchmal misslingt. Und dann laufen die offensivfreudigen Beueler dem Gegner ins offene Messer. „Da müssen wir noch dran arbeiten.“

Das Mittelfeld: Segen und Fluch zugleich

Nghia (11) spielt zentrales Mittelfeld. Und wenn er so geschickt dribbelt, wie er quasselt, dann dürften seine Gegner Respekt vor ihm haben. „Wir sind eine offensive Mannschaft mit starken Spielern.“ Leider geht das zeitweise nach hinten los. Christian (12) weiß, warum: „Uns fehlt ab und zu die Disziplin und die Konzentration.“ Das bestätigt Jakob (11): „Technisch sind wir ganz gut.“ Und Julian hat sich bei der Nationalmannschaft ein Erfolgsrezept abgeguckt, das man eben nur noch umsetzen muss: „Die Außen im Mittelfeld, die müssen mehr zurück arbeiten.“ Kaum verwunderlich, dass Mehmets (11) schönstes Saisonerlebnis ein 18:0 gegen Tannenbusch war. Hoch gewinnen macht eben am meisten Spaß.

Der Sturm: Oft nicht zu halten

Ingo (11) gibt sich seltsam wortkarg, obwohl er Kapitän ist. Aber das ist Lukas Podolski ja auch. Und wenn Ingo vor dem Tor auch nicht so lange fackelt wie der Poldi, dann passt das ja. Ingo hält seine Mannschaft für ziemlich stark, vor allem offensiv. Und die paar Probleme in der Abwehr? Na ja.

Trainer Luis Coelho gibt den Ton an.

Die Trainer: Dreigestirn am Seitenrand

Luis Coelho, Michael Gotzein und Thomas Sandmann wissen, wie sie ihre Jungs zu handeln haben. Beim Training wirkt das wie Leine geben, laufen lassen und dann wieder anziehen und kurz halten. Luis Coelho fasst das zentrale Problem in Worte: „Die Sache an der Mannschaft ist: 80 Prozent sind Stürmer.“ Leider muss sich die überwiegend aus dem 1999er-Jahrgang bestehende Sturm-Elf meist mit 1998er-Teams schlagen. Trotzdem: „Bisher konnten wir ganz gut mithalten.“ Das liegt auch daran, dass sich die meisten schon seit der Grundschule kennen und jetzt auch gemeinsam zur Gesamtschule in Beuel gehen.

Der Förderer: SWB Energie und Wasser

Über die Trikots von SWB Energie und Wasser haben sich die Spieler riesig gefreut, berichtet Coelho. „Das ist für eine Jugendabteilung enorm wichtig.“ Gerade ein kleiner Verein habe häufig Probleme, Sponsoren zu finden. Und dann habe SWB Energie und Wasser auch noch eine Trikot-Qualität verschenkt, die beeindruckend sei. „Das ist ein Satz, der einige Jahre hält“, sagt Coelho. „Das ist für den Verein eine mehr als willkommene Hilfe.“ (sst)

 


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