

Die A-Jugend von Rot-Weiß Röttgen gibt auf dem Volleyballfeld alles – wie bei der Bewerbung um die „Immer am Ball“-Förderung
Die britische Komödie „Ganz oder gar nicht“ war einer der Filme des Jahres 1997. Darin versucht sich eine Gruppe von arbeitslosen Stahlarbeitern als Nachfolger der „Chippendales“, um wieder Geld in die leeren Kassen zu spülen. Die Grundidee des Films von Peter Cattaneo haben die Volleyball-A-Jugendlichen von Rot-Weiß Röttgen für die Bewerbung zur „Immer am Ball“-Förderaktion aufgegriffen. Allerdings ließen sie – anders als die Sheffielder Malocher – die Hüllen nicht vor Publikum fallen, sondern warteten bis weit nach dem Training in einer Außenhalle, um im Adamskostüm mit Volleyball statt Feigenblatt für den Fotografen zu posieren.
Die Idee kam bei der Stadtwerke-Jury gut an. Niklas (17) erinnert sich daran, wie die besondere Aktion zustande kam: „Wir wollten was Originelles machen und zeigen, dass wir neue Trikots nötig haben.“ Arm, nackt und mittellos posierten die Jungs – und hatten mit ihrem Gesuch Erfolg. „Mit der heutigen Mannschaft könnten wir das bestimmt auch machen“, meint Niklas. „Wir verstehen uns gut – auch außerhalb des Spielfeldes.“

Anders wäre der Erfolg, den die Mannschaft von Trainer Jürgen Seifert in dieser Saison hat, auch kaum zu erklären. In der NRW-Liga liegt das U 20-Team vor dem letzten Spieltag an erster Stelle. Der nächste große Schritt sind die Westdeutschen Meisterschaften am 13. und 14. März 2010. Dort treffen sich die besten zwölf Teams, um die ersten beiden Plätze für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft auszuspielen. Ziel des Trainers ist, es bei den Westdeutschen ins Halbfinale zu kommen. Dort schätzt er die mit Nationalspielern gespickten Teams aus Essen, Münster und Wuppertal aber als zu stark ein. Dennoch wäre ein vierter Platz ein Riesenerfolg, sagt Seifert: „Ich glaube, es hat noch keine Röttgener Mannschaft in dieser Altersklasse geschafft, so gut abzuschneiden.“
Worin der Schlüssel zum Erfolg liegt? Seifert: „Ich glaube darin, dass sich die Jungs beim Volleyball und abseits des Platzes so gut verstehen.“ Zwölf Spieler bilden das Team, und alle werden gleichberechtigt eingesetzt, was sehr selten ist. „Die Mannschaft ist sehr homogen. Wir haben alle Spieltage mit zwölf Spielern gespielt.“ Seifert zeigt sich als Trainer positiv überrascht, dass seine Spieler auch in diesem schwierigen Alter, wo Partys und andere Dinge locken, derart gut mitziehen. Auch spielerisch und taktisch habe sich die Mannschaft zuletzt weiter verbessert.

Jürgen Seifert weiß, wovon er spricht, schließlich hat er schon sehr viel Erfahrung als Trainer: „Ich habe angefangen, als ich selbst noch Jugendlicher war. Mit 17 Jahren.“ Zuerst hat er nur Mädchen- und Damenmannschaften trainiert. Mit den Jungen-Teams begann er, als seine Söhne Jan und Kai sich für das Spiel begeisterten. Mit den Jungs fing Seifert wirklich sehr früh an, schon in der 3. und 4. Klasse im Grundschulalter. Seitdem trainiert er den Jahrgang, der heute die U 18-Mannschaft bildet. In dieser Saison aber ist die U 20 dazu gekommen. In dem Team spielen momentan auch Kai (16) und Jan (18) mit. Das letzte Jugendjahr der älteren Spieler wollte Seifert von der Trainerbank miterleben, weshalb er in dieser Saison zwei Teams coacht.
Die Mannschaft freut sich sehr, dass die Trikotspende durch die SWB Energie und Wasser möglich wurde. „Gerade im Jugendbereich ist es sehr schwer, an Sponsoren zu kommen“, sagt Seifert. „Deswegen ist diese Aktion super. Sonst bezahlt man nämlich alles aus eigener Tasche.“ Dazu gehört auch der Sprit, den die Eltern bei ihren Fahrten zu den Spieltagen in ganz NRW verfahren. Seifert freut sich sehr, dass er auf die Unterstützung der Eltern bauen kann. (sas)