

Die B-Mädchen des Oberkasseler FV haben sich zusammen gerauft und in der Verbandsliga wacker geschlagen
Den Charakter einer Fußballmannschaft erkennt der aufmerksame Betrachter in einigen besonderen Momenten. Zum Beispiel beim Heimspiel der B-Mädchen des Oberkasseler FV am Sonntag gegen Rot-Weiß Merl. Da ist zunächst OFV-Verteidigerin Marion (15), die sich in der Vorwoche einen Bänderriss zugezogen hatte. Trotz Beinschiene kann sie es nicht lassen, mit dem gesunden Fuß einen Ball zu jonglieren. So lange, bis er verspringt und ihr Damenschuh hinterher fliegt.
Da ist zweitens die junge Trainerin Hilde Lehmann, die vor dem Spiel gegen den Tabellenführer aus Merl herumtelefonieren muss, um elf Mädchen zusammen zu bekommen. Trotzdem sagt sie in der Besprechung kurz vor dem Spiel: „Lieber zu elft als mit einer zwölften Frau, die euch die ganze Saison im Stich gelassen hat.“
Drittens: In einer ersten Drangphase der Merlerinnen pfeift die Schiedsrichterin nach einer Ecke Torabstoß. Eine OFV-Verteidigerin gibt ohne Not zu: „Das ist noch eine Ecke. Ich war noch dran.“

Diese drei Szenen könnte man übertiteln mit Leidenschaft, Kameradschaft und Fairness. Kaum verwunderlich also, wenn Hilde Lehmann mit ihren Mädchen ganz zufrieden ist. Die Mädchen der Jahrgänge 1991 und 1992 haben sich laut Lehmann in dieser Verbandsliga-Serie ganz wacker geschlagen. „Es könnten ein paar Punkte mehr sein“, sagt sie. „Aber eigentlich ist es unser Ziel, junge Spielerinnen hochzuführen in die Damenmannschaft.“ Die Trainerin spielt übrigens selbst in der OFV-Seniorinnen-Mannschaft in der Landesliga.
Am Anfang der Saison, berichtet Lehmann, gab es in der B-Mädchen-Mannschaft zwei Grüppchen aus älteren und jüngeren Spielerinnen. „Das hat sich gebessert.“ Das lag auch an den gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Platzes. So sah sich das Team ein Bundesliga-Spiel zwischen Leverkusen und Duisburg an und nahm an einem Hallenturnier in Konz (Rheinland-Pfalz) teil – beim FC Kommlingen, wo Hilde Lehmann vorher gespielt hatte.

Auch Spielführerin Leonie (17) sagt, dass aus dem zusammen gewürfelten Haufen mittlerweile eine Einheit geworden sei. „Dafür können wir stolz sein auf den Tabellenplatz.“ Neuigkeiten tauschen die Mädels über ihre Homepage aus, Spiel- und Trainingszeiten zum Beispiel. „Einige Spielerinnen sind auch so befreundet“, sagt Leonie. „Und manche Freundschaft ist erst durch den Fußball entstanden.“
Die Trikots der SWB Energie und Wasser finden die Mädels klasse, sagt Leonie. „Super schön, klimaaktiv und in den OFV-Farben.“ Die Schwarz-Grünen freuen sich über die Unterstützung, schließlich sei der Verein auf Sponsoring angewiesen. Leonie findet die Idee der Stadtwerke richtig gut: „Das gibt ein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab, wenn man zeigt, dass man Jugendliche unterstützt.“
Während ihre Spielkameradinnen gegen die starken Merlerinnen ran müssen, juckt es der verletzten Marion in den Füßen. „Ich bin eigentlich ziemlich sportlich und aktiv“, sagt sie. „Da ist das natürlich doppelt doof, wenn man gar nichts machen darf.“ Aber anfeuern darf sie – und ab und zu mal einen Ball hochhalten. (sas)
Weitere Informationen: www.ofv-b-maedchen.de.vu