

Die Jugendkicker der JSG Beuel haben keine Angst mehr vor großen Gegner und freuen sich auf ihr nächstes Einladungsturnier zu Gunsten der Hannah-Stiftung
Mittwoch gegen den 1.FC Köln, Sonntag gegen Rot-Weiß Essen: Was wie eine englische Woche eines Bundesliga-Vereins klingt, ist tatsächlich ein Wochenprogramm der U-13-Jugendfußballer der JSG Beuel, das samstägliche Meisterschaftsspiel in der Sondergruppe noch nicht mal eingerechnet. Die elf- und zwölfjährigen Nachwuchskicker aus Beuel haben in dieser Saison schon gegen ganz große Lizenzmannschaften gespielt, zuletzt unter anderem gegen die Hertha aus Berlin und gegen den großen CF Villareal. „Wer kann schon von sich behaupten, dass er mal gegen Villareal gespielt hat?“, fragt Trainer Daniel Nöllgen, ohne wirklich eine Antwort darauf haben zu müssen.
Die Jugendlichen der JSG Beuel leben das nach, was der traditionsreiche SV Beuel 06 am Vereinsheim plakatiert hat: Spiele gegen große Gegner.

Jetzt also Rot-Weiß Essen. Eine halbe Stunde vor Spielbeginn verteilt Trainer Malte Gaumert per Magnettafel die Positionen für die Startelf. „Für uns geht es heute noch mal darum, uns gegen eine Lizenzmannschaft zu bewähren.“ Der Trainer wünscht sich von den Jungs, dass sie „ganz sauber spielen“, ihre Positionen halten und den Gegner zu Fehlern zwingen. „Immer wieder verschieben, immer wieder Ballgewinn, immer wieder Überzahlsituationen“, lautet Gaumerts Marschroute. Auch RWE sei keine Übermannschaft, zumal die Gäste aus dem Ruhrgebiet mit dem jüngeren Jahrgang antreten. „Fehler dürfen gemacht werden“, sagt Nöllgen. Sobald aber eine pennt, nutzen Mannschaften wie Essen die Fehler gnadenlos aus, warnt er.
Wie am Mittwoch der FC, als es 0:3 endete. „Es hätte auch 3:6 ausgehen können“, berichtet Gaumert. Um das Ergebnis ging es freilich nicht in erster Linie. Nöllgen sagt: „Primär geht es um die Erfahrung und darum, sagen zu können: Ich hab schon mal gegen den großen FC Köln gespielt.“ Bei einigen FC-Fans in der Beueler Mannschaft leuchteten die Augen, als die Mannschaft die Kölner Anlage am Geißbockheim betrat. Zu den unheilbaren Hardcore-FC-Fans gehören auch die zwölf Jahre alten Zwillinge Jan und Niklas. Zu Hause haben sie Poster, Fahnen, Bettwäsche, Trikots – halt das volle Programm. Beide finden Podolski super und waren natürlich mächtig stolz, beim FC ein Spielchen zu machen. „Das war cool“, sagt Jan. „Ich wollte natürlich ein Tor schießen“, sagt der Köln-Fan, der auf dem Platz mit seinem Bruder Niklas die Flügelzange bildet. „Das war richtig gut“, meint der.

Solche Erlebnisse schweißen zusammen, finden die Trainer, die deswegen auch schon voller Vorfreude auf die Barcelona-Tour 2010 sind. Das nächste Highlight wird aber zunächst am 24. Oktober 2009 ein Benefiz-Turnier zu Gunsten der Hannah-Stiftung sein. Ab 11 Uhr treffen im Franz-Elbern-Stadion in einem Blitzturnier die Teams von Bayer Leverkusen, Kickers Offenbach, Fortuna Düsseldorf, TuS Koblenz und die JSG aufeinander.
Auch beim Volkswagen-Cup machen die Beueler mit, sind dort in einer Gruppe mit Alemannia Aachen, der JSG Erft und dem TuS Mechernich. Überstehen sie diese und auch eine zweite Gruppenphase, geht die Reise sogar nach Wolfsburg in die Stadt des Bundesliga-Meisters.

Auch in der Sondergruppe läuft es zurzeit sehr gut, berichten Nöllgen und Gaumert, die ab und zu von Sebastian Siebertz unterstützt werden. „Wir sind bisher sehr zufrieden“, sagt Gaumert, was bei zwölf Punkten aus vier Spielen (bei 15:0 Toren) schon mehr als bescheiden klingt. Platz zwei ist das Mindestziel der Beueler, denn dann könnte es in der darauf folgenden C-Jugend-Saison in der Bezirksliga weitergehen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Froh sind die Beueler momentan darüber, dass sie die vier Neuzugänge so gut integriert haben, je einen Spieler vom TuS Hersel und vom SV Ennert sowie zwei Jungs vom SV Vorgebirge. Nöllgen sagt, die Mannschaft sei jetzt schon sehr homogen, übernehme Verantwortung und habe großes Potenzial, wenn sie in dieser Konstellation zusammen bleibt.
Spiele wie gegen RWE tragen zum Teambuilding bei. Einen guten Namen haben die Beueler übrigens auch schon selbst. RWE-Co-Trainer Onur Cinel sagte dem SWB-Reporter: „Wir empfinden es ebenfalls als Ehre, hier zu spielen, weil wir gehört haben, dass die Beueler U 13 ein super Jahrgang ist.“ Die Mannschaft habe einen „super Ruf“. Und deshalb, so Cinel, „ist das für uns heute mindestens so gut wie für Beuel“. (sas)