
Rope Skipping ist viel mehr als nur Seilchenspringen. Beim Godesberger TV lernen Mädchen und ein Junge die Kunst mit dem Plastikseil
Damit das von vorneherein klar ist: Rope Skipping hat nicht viel mit Seilchenspringen zu tun, außer vielleicht, dass auch ein Seil benötigt wird und die Sportler häufig springen. Wer wissen möchte, was Rope Skipping noch alles ist, der sollte sich ein Turnier angucken. Wie an einem Sonntag im Oktober, als die „R(h)einspringer“ des Godesberger TV drei weitere Teams zu Gast haben zum Qualifikationswettbewerb für die Landesmeisterschaften im Deutschen Turnerbund.
Beim Freestyle für Fortgeschrittene gehen auch die Godesbergerinnen Katharina und Annika an den Start. 75 Sekunden haben sie Zeit, die Jury mit ihrem Plastikseil davon zu überzeugen, dass sie Technik und Ausdruck gelernt haben. Denn hier geht es nicht nur um Schnelligkeit und das perfekte Beherrschen der Figuren. Die Sportler und Sportlerinnen müssen zu selbst ausgesuchter Musik auch das ausdrücken und „verkaufen“, was sie spielerisch leicht mit dem Seil vorturnen und tanzen.
Dem Betrachter stockt der Atem
Dem Betrachter stockt der Atem: Mit Seil geht es vorwärts, rückwärts, über Kopf, einfach und verdreht, quer und über kreuz, geschwurbelt, gewirbelt, unter den Po, einen Griff weggeworfen und aufgefangen, weiter hopp, hopp, hopp mit Handstand, mit Ausfallschritt, mit Liegestütz, einfach und doppelt gesprungen, ohne den Boden zu berühren oder das Seil wie ein Lasso schwingend. Anschließend ist nur dem Publikum leicht schwindelig. Katharina vom Godesberger TV verharrt in der Schlussfigur mit Seil, lächelt und verlässt das neun mal neun Meter große Springfeld.
Zwei, die sich an diesem Sonntag zurücklehnen könnten, sind Tabea (13) und Lea (12). Die Mädels vom GTV haben sich nämlich bereits vorzeitig für die Landemeisterschaft am 26. November qualifiziert, haben kürzlich auch bei der Deutschen Meisterschaft „geropt“, wie es im Fachjargon heißt. Tabea erklärt noch mal ein paar Unterschiede im Vergleich zur Freizeitbeschäftigung Seilchenspringen. „Die Seile sind aus Kunststoff, damit das schneller geht.“ Denn Speed heißt bei den Wettkämpfen auch Tempo, Tempo, Tempo. Das Seil ist dann kaum noch zu sehen.
"Viel schneller als Seilchenspringen"
Lea (12) ergänzt, dass die Rope Skipper eine ganze Reihe komplizierter Sprünge drauf haben, die man mit einem einfachen Seil gar nicht machen könnte. „Es ist einfach viel schneller als normales Seilchenspringen“, sagt Anne Wellmann, eine der drei Trainerinnen der „R(h)einspringer“. „Es macht aber auch viel mehr Spaß, weil man ganz andere Tricks aufführen kann. Außerdem springen die Mädels nicht nur alleine, sondern auch im Team. So gibt es etwa die Variante Double Dutch – mit zwei Seilen, die gegeneinander geschwungen werden. Die Springer in der Mitte müssen sich dann schon höllisch konzentrieren, damit sie nicht hängen bleiben.
Aber wie kommt man denn überhaupt zu einer exotischen Sportart? Lea berichtet, dass sie seinerzeit einen Zettel in der Schule gesehen hatte. Da dachte sie sich: „Das gucke ich mir mal an.“ Tabea ist quasi in die Fußstapfen ihrer Schwester gesprungen. Jetzt ist sie schon fünf Jahre dabei, ebenso wie Trainerin Julia Poser, die die Mittel- und die Fortgeschrittenen-Gruppe bei den „R(h)einspringern“ trainiert. Die dritte Trainerin im Bunde heißt Sabine Leistikow, die sich ebenso wie Anne Wellmann riesig über das Engagement von SWB Energie und Wasser freut. Der Energieversorger bedachte die Rope Skipper aus Godesberg bei der Aktion Immer am Ball mit einem Satz schicker Trainingsanzüge. Und das Turnier an diesem Sonntag unterstützt SWB Energie und Wasser mit Wasserwagen, Wasserflaschen für die Sieger und tiefblauer Bandenwerbung, die der Halle ein besonders professionelles Flair verleiht.
Fluch der R(h)einspringer
Alle Springerinnen, egal ob vom GTV oder von den Gastvereinen, werden für ihre Darbietungen gefeiert. Das haben sie auch verdient, die Anspannung ist ihnen anzusehen. Jede hat eine persönliche CD mitgebracht, die der DJ kurz vor dem Auftritt einlegt. Dann 75 Sekunden volle Konzentration und möglichst wenige Fehltritte und Schwünge, denn die werden von der aufmerksamen Jury mit Punktabzügen bestraft. Erst in der Endabrechnung wird klar, wer es an diesem Sonntag aufs Treppchen geschafft hat. Vorher gibt Europameister Sebastian Deeg noch ein paar Kostproben seines Könnens. Und die „R(h)einspringer“ stellen später mit ihrer Piratenformation „Fluch der Karibik“ unter Beweis, dass sie auch künstlerisch fit sind. Das war schließlich auch einer der Pluspunkte bei der Videobewerbung für Immer am Ball. (sst)