

Die weibliche Handball-A-Jugend des Godesberger TV ist jung, erfolgreich und „unheimlich nett“ – allein: Es fehlen noch ein paar Mitstreiterinnen
Vor dem Fototermin für die SWB-Redaktion plündern die Handball-Mädchen des Godesberger TV die Trikot-Tasche. Ziemlich ungestüm, findet Betreuerin Marion Rüßmann: „Ich hatte die alle mal gefaltet“, sagt sie. „Das ist ein Sauhaufen hier“, erklärt sie dem Besucher, hält inne und lächelt: „Aber es sind alles unheimlich liebe Mädels.“ Man merkt Marion Rüßmann die Freude an, mit der sie die A-Jugend der Handballabteilung betreut. Ebenso geht es der Trainerin Dagmar Kemp und Betreuer Michael Swidurski.
Zurzeit ist der Kader der Mannschaft stark dezimiert, weshalb die Trainer die B-Mädchen mit hochgenommen haben, um die A-Jugend-Qualifikation für die nächste Saison zu spielen. „Leider haben wir gerade ein paar Personalprobleme“, erläutert Rüßmann. „Wir haben zwei Spielerinnen an Bayer Leverkusen verloren – ausgerechnet Leistungsträgerinnen.“ In der derzeitigen A-Jugend spielen deshalb ausnahmsweise Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren. Rüßmann wünscht sich eine Reihe neuer Spielerinnen. Verstärkung könnte auch die C-Jugend gebrauchen, also die Mädchen ab 13 Jahren.

Ende des Monats starten die Godesberger in der Qualifikation für die Oberliga. „Wenn wir die nicht packen, spielen wir Kreisklasse“, sagt Rüßmann. Beim Turnier am 27. April in Oberpleis müssen die A-Mädchen mindestens Gruppenzweiter werden. „Müsste zu schaffen sein, wenn die Mädels sich nicht allzu dumm anstellen.“
Handball spielen können die Mädchen nämlich gut. A- und B-Jugend sind vor einigen Wochen in der alten Besetzung Kreismeister geworden. Und einige der Jugendspielerinnen gewöhnen sich bereits an die Spielweise in den Seniorinnenmannschaften. Wie Fee (17), die in der zweiten Damen-Mannschaft des Godesberger TV mitspielt – in der Landesliga. „Es ist ganz anders, aber man kann sich daran gewöhnen“, sagt sie.
Die Klasse haben einige. Torhüterin Daria (16) etwa spielt Mittelrheinauswahl. Ihr Traum ist es, im Seniorenbereich später einmal Regionalliga zu spielen. Mindestens. Aber auch die A-Jugend sei ein „cooles Team“, sagt sie. „Die Mannschaft ist total nett. Wir haben viel Spaß zusammen.“ Hart sind dagegen die Spiele – und die Bälle, die sie mitunter ins Gesicht bekommt. „Das ist nicht das Schlechteste“, sagt Daria überraschend. Denn dann sei sie noch wacher und ehrgeiziger. Und dann sagt sie einen Satz, den wohl nur Torhüter/innen verstehen: „Wenn man merkt, dass was weh tut am Körper, dann weiß man, was man gehalten hat.“

Weil die Mannschaft nicht nur das Sportliche pflegt, sondern auch Kameradschaft und Freundschaften außerhalb des Spielfeldes, hatte die Jury der Aktion „Immer am Ball“ sie für einen Satz Trikots auserkoren. „Das ist gerade für Vereine wie uns, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, sehr wichtig“, sagt Rüßmann. „Die wirtschaftliche Lage bessert sich zwar, aber es ist immer noch unheimlich schwer, Sponsoren zu finden.“
Marion Rüßmann lebt Handball. Als ihre Tochter Stefanie zur Welt kam, legte die Handballerin eine Pause von nur sechs Wochen ein. „Danach habe ich wieder gespielt. Stefanie ist in der Halle groß geworden.“ Die 15-Jährige hat sich vom Handball-Virus infizieren lassen und spielt jetzt schon A-Jugend. „Im Sommer sind es elfeinhalb Jahre“, sagt sie. Und: „Was Besseres hätte nicht passieren können.“ Dreimal Training in der Woche, demnächst zwei Spiele am Wochenende – für Stefanie „das Beste“. Und das, obwohl sie häufig blaue Ellenbogen und Knie, eine blutige Nase und jede Menge Kratzer davonträgt. „Wenn man spielt, merkt man das nicht“, sagt die 15-Jährige. „Während man spielt, sollte man in seinem Element sein. Ich bin’s jedenfalls.“ (sas)
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