Junge Küken treffen alte Hasen

Starkes Team im SWB-blauen Dress: Die Handball-Mädchen des Godesberger TV in der Sporthalle Pennenfeld.

Handball integrativ: In der weiblichen C-Jugend des Godesberger TV ist der Teamgeist größer als das Leistungsgefälle

Jede Kette ist nur so stark wie ihr stärkstes Glied. Das Sprichwort ist ganz schön abgegriffen, vielleicht aber auch deshalb, weil ein wahrer Kern drin steckt. Lehrer werden bestätigen können, dass es ganz schön schwer fällt, einen Unterricht für Schüler zu machen, der allen was bringt. So ein Leistungsgefälle zu überbrücken, das ist große Kunst.

Das gilt für den Vereinssport umso mehr, weil manche Spieler von Kindesbeinen an trainieren und andere erst spät mit ihrem Hobby beginnen. Michael Matuschek vom Godesberger TV wird das bestätigen können. Der Handball-Trainer der weiblichen C-Jugend meistert von Woche zu Woche die Aufgabe, die Neulinge nicht zu überfordern und gleichzeitig den Fortgeschrittenen gerecht zu werden. „Das Training ist eine Herausforderung“, sagt der Übungsleiter, denn die Einheiten sollen ja allen Spaß machen. Den jungen Küken und den alten Hasen.

Fritzi hat sich durchgesetzt und schließt kernig ab.

Davon gibt es in der Mannschaft des Jahrgangs 1995/1996 einige. Zum Beispiel Julia (14). „Sie wirft mit Abstand die meisten Tore“, schwärmt Matuschek, „und wird wegen ihrer Wendigkeit und Schnelligkeit vom Gegner gefürchtet.“ Die junge Dame mit der Nummer sechs würde sich in diesem Moment am liebsten aus dem Sitzkreis davonstehlen: „Das ist ja echt peinlich.“ Zum Glück gibt es noch andere, die besonders hervorgehoben werden können, etwa Stammtorhüterin Regina (15), die schon in der Kreisauswahl mitwirkt. „Hervorragend im Tor, gut im Feld“, sagt Matuschek. Auch Ersatztorhüterin Svenja (14) verfügt über spielerische Qualitäten, wie beim späteren Training in der Halle im Pennenfeld deutlich wird. Matuscheks Tochter Rosa (14) spielt ebenfalls in der Truppe: „Sie hat das Handball-Gen geerbt.“

Wenn Familien bereits infiziert sind, dann breitet sich der Handball-Virus schnell aus. Sechserin Julia kommt etwa aus einer Handball-Familie, in der Mutter und vier von fünf Geschwistern gespielt haben. Der Trainer hat beobachtet, dass es nach dem WM-Titel der Herren-Nationalmannschaft einen kleinen Boom gab, der die Sportart ins rechte Licht gerückt hat. Schnell, dynamisch und immer spannend, sagt Matuschek: „Im Handball ist eigentlich immer alles möglich. Ein Spiel, das schon als verloren gilt, wird häufig trotzdem noch herumgerissen.“

Passspiel: Alina hat schon eine Menge drauf, wie man sieht.

Nach einem Mädchenaktionstag 2008 bekam das Team reichlich Zulauf, zehn bis zwölf Neuanmeldungen zählte Matuschek. Alina (13) gehörte dazu: „Es hat mir einfach gut gefallen und Spaß gemacht.“ Ebenso erging es Julia II., die seit einem halben Jahr dabei ist. Und Neuling Iman (14) sagt: „Ich find’s total super.“ Und das, obwohl sie gerade erst die grundlegenden Dinge des Sports lernt wie Prellen, Fangen, Werfen und das Spielsystem.

Leistung steht bei der Mannschaft nicht an erster Stelle. Das Team spielt in der Kreisliga. „Lieber gut spielen und ab und zu gewinnen, als ständig eins auf die Mütze bekommen“, meint der Trainer. Die gute Stimmung in der Mannschaft kommt laut Matuschek auch daher, dass viele Mädchen  befreundet sind. Die Mädels verstehen sich so gut, dass das Soziale manchmal schon ein kleines bisschen stört, sagt Matuschek schmunzelnd. „Da herrscht beim Training dann manchmal mehr Gequatsche, als mir lieb ist.“ Eine kleine Nebenwirkung des Teamgeistes, die der Coach aber gerne in Kauf nimmt: „Der Zusammenhalt ist nämlich sehr gut.“ (sas)   

 


Kontakt
Dimitrios Lautenschläger
Tel.: 0228  711-2719 
Fax: 0228  711-2727