

500 Dinge über Fußball mit Sprüchen und TV-Pannen
Um Freunde zu unterhalten, kann man Witze reißen oder Sprüche klopfen. Oder Anekdoten erzählen – gerade für Fußballfreunde ein Genuss. Das Fußballfachmagazin „11 Freunde“ hat jetzt ein Standardwerk der Fußball-Geschichtchen vorgelegt: „Eier, wir brauchen Eier!“ (Heyne, 8,95 Euro), eine Sammlung von 500 Dingen über Fußball. 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster verspricht nicht zuviel, wenn er behauptet: „Dieses Buch entführt Sie in die Parallelwelt des professionellen Fußballs.“ Der Fan kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Unterteilt in diverse Kapitel wie „Prügelnde Kicker“, „Fußballfamilien“ oder „TV-Pannen“ gibt es muntere Drei- bis Zehnzeiler-Anekdoten. Zum Beispiel die über Christoph Daum, der in Leverkusen den Job des Fußballtrainers wie folgt beschrieb: „Ein Trainer muss wie ein Elektriker nach dem Wackelkontakt suchen, die richtigen Stecker zusammenfügen, und schon steht alles unter Hochspannung.“
Oder die Anekdote über den schillerndsten Geldgeber der Bundesliga, Günter Eichberg bei Schalke 04. Dem wird nachgesagt: „Weil er die Beerdigung von Ernst Kuzorra verpasst hatte, ließ er die Feierlichkeiten wiederholen.“ Ein eigenes Kapitel widmet das Buch nicht nur Traditionsvereinen wie Dortmund und Frankfurt, sondern natürlich auch dem Kaiser: „Als Beckenbauer anlässlich seines Geburtstages gefragt wurde, wen er gerne einmal kennen lernen würde, sagte der Kaiser nur: ,Mich selbst.’“ Zwar nicht der FC Köln, aber wenigstens Prinz Poldi hat eine eigene Rubrik. Da steht auch die Anekdote drin, dass ihm der DFB zum 19. Geburtstag ein Nagelset schenkte. War wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl, Poldi sagte laut „11 Freunde“ dazu nämlich nur: „War zwar nett gemeint, aber was soll ich damit?“ (sst)

Pflichtlektüre: Die Suche nach dem perfekten Spiel
Dieses Buch sollte zur Pflichtlektüre für jeden TV-Kommentatoren werden, und zwar vor Aufnahme seiner Tätigkeit: Dampfplauderern wird in Christoph Biermanns „Die Fußball-Matrix“ (KiWi, 16,95 Euro) nämlich gehörig die Luft abgelassen. Der Fußballfachjournalist geht mit wissenschaftlichen Methoden auf die Suche nach dem perfekten Spiel und enttarnt dabei quasi im Vorübergehen einige der hartnäckigsten Fußballmythen. Zum Beispiel dass es ein psychologischer Vorteil ist, wenn man kurz vor der Pause trifft. Ebenso widerlegt Biermann die Annahme, nach der die Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs steigt, wenn der Spieler schon im vorhergehenden Spiel getroffen hat. „Trotzdem würden die meisten Fans oder auch Trainer behaupten, dass es so etwas wie Glückssträhnen bei Stürmern gibt.“ Wo nichts als Zufall ist, neigen die Menschen eben dazu, eine tiefer verborgene Ordnung zu erkennen, sagt Biermann. Wie beim Lotto.
Der Autor verdeutlicht mit wissenschaftlichen Methoden, dass die Drei-Punkte-Regel eben nicht zu offensiverem Spiel geführt hat, sondern nur zur massiveren Bekämpfung des gegnerischen Spiels. Für Trainer, die an mehr glauben als das Beckenbauer-Gen, ist das Buch eine Bereicherung. Biermann schreibt: „Ein Trainer kann seinen Spielern sagen, dass sie kombinieren oder direkt spielen sollen oder er kann Situationen schaffen, durch die sie dazu gezwungen werden.“ Oder wie der Holländer sagt: Fit wird man durch Fußball spielen, nicht durch Kondition bolzen.
Der Fußballautor Biermann hat Recht, wenn er im Vorwort schreibt: „Dieses Buch beschreibt den Stand der Dinge und dringt zugleich in die Grenzbereiche der neuen Fußballwissenschaft vor.“ Unrecht hat Martin Walser, den Biermann einleitend wie folgt zitiert: „Sinnloser als Fußball ist nur noch eins: Nachdenken über Fußball.“ (sst)

Einige Klassiker des Genres in der Kurzkritik
Zum Zungeschnalzen sind auch die „Klassiker“ der Fußballliteratur, von denen hier einige genannt seien: Das vielleicht beste Fußballbuch aller Zeiten (wenn man englischen Fußball und gute Literatur mag) ist Nick Hornbys „Fever Pitch – Ballfieber“ (KiWi, 9,95 Euro). Die wahnsinnig mitreißende und wahrhaftige Geschichte eines Fans des FC Arsenal – mit Liebe, Vater-Sohn-Beziehung und viel Fußball. Für Fans des Insel-Fußballs empfiehlt sich auch „Harder, better, faster, stronger“ von Raphael Honigstein (KiWi, 7,95 Euro). Der Fußballkorrespondent der Süddeutschen Zeitung hat nicht nur „die geheime Geschichte des englischen Fußballs“ geschrieben, sondern auch einige irrwitzige Story aus dem Mutterland von Gascoigne, Beckham und Co.
Die Geschichten-Sammlung „Früher waren mehr Tore“ (Diogenes, 9,90 Euro) liest sich wie ein Who is Who der berühmtesten Schriftsteller, die auch Fußball lieben oder zumindest beschrieben haben, zum Beispiel Dürrenmatt, Loriot, Suter und andere. Was für die Augen bietet schließlich der praktische kleine Bildband in Din A 5 „Tore“ von Neville Gabie (Sanssouci, 10 Euro). Der Fotograf hat bei seinen Reisen um den Globus verlotterte Bolzplatztore aller Art fotografiert und denen die überkorrekten FIFA-Regeln gegenüber gestellt. Voll krass, ebenso wie das Pixi-Buch „Kaiser Franz wird Weltmeister“ (Carlsen, 0,95 Euro), indem die Geschichte einfach umgedreht wird. Erst Kaiser, dann Weltmeister. (sst)