

Die E 2-Jugend des FC RW Lessenich hat Spaß am Fußball auch im Tabellenmittelfeld. Das Trainer-Trio verzichtet bewusst auf Stammspieler
Die heutige E 2-Jugend des FC Rot-Weiß Lessenich ist eine aus der Not geborene Mannschaft. Trainer Uwe Schweinheim erinnert sich noch gut, wie die Lessenicher „Zweite“ in der vergangenen Saison immer größer wurde. „Das waren 20 Kinder. Die waren irgendwann nicht mehr trainierbar.“ Weil auch durch die WM fußballbegeisterter Nachwuchs dazukam, gründete Schweinheim eine weitere Mannschaft, die letztjährige E 3 mit Spielern des 1997er-Jahrgangs.
Schweinheim erläutert, warum sein Team als „besondere Mannschaft“ in den Genuss des Trikot-Sponsorings der Stadtwerke kam: In der letzten Serie konnten die Jugendspieler nur drei Spiele gewinnen, alle anderen Partien gingen verloren. Teilweise gab es deftige Packungen: 12:0, 15:1 – und das in nur 50 Spielminuten. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Schweinheim. „Das Bemerkenswerte aber war: Die Kinder haben nie die Lust verloren.“

Jetzt betreut Schweinheim mit Christian Kunst und Bert Rost 18 Kinder, die im kommenden Jahr auch eine Elfer-D-Jugend bilden sollen. In diesem Jahr hat sich die Truppe vom erfolglosen FC Dabei-Sein-Ist-Alles zu einer Mannschaft gemausert, die im Mittelfeld der Klasse mitspielt. Drei Siege, drei Niederlagen und vier Unentschieden standen zuletzt zu Buche. „Das ist genau das, was ich wollte“, sagt Schweinheim. „Ich muss nicht um die Meisterschaft mitspielen.“ Seine Jungs sollen Spaß am Fußball haben, besser werden und sich körperlich fit halten. Mit der Bewerbung als kaum gewinnender Underdog gewannen die jungen Kicker die Herzen der Jury von SWB Energie und Wasser und General-Anzeiger bei der Aktion „Immer am Ball“. Schweinheim lichtete vom Balkon seine Spieler ab, wie sie den Schriftzug „Wir sind E 3“ bildeten.
Eine weitere Besonderheit der Mannschaft ist der Umstand, dass es keine Stammspieler gibt. „Alle 18 Kinder sind gleichberechtigt“, sagt der Trainer. Jeder, der zum Kader gehört, spielt mindestens eine Halbzeit. „Denn wenn nicht jedes Kind Spielpraxis bekommt, kann’s nicht besser werden.“ Ab dem zweiten D-Jugend-Jahr erst will der Trainer leistungsorientierter arbeiten. „Damit sie nicht die Lust verlieren.“

Schweinheims „Wilde Kerle“ bestätigen die Worte des Trainers. Tom (10) sagt: „Es macht einfach Spaß, mit den anderen Fußball zu spielen.“ Er ist zwar erst seit einem halben Jahr dabei, aber schon Feuer und Flamme: „Wir spielen in der Schule in jeder Pause.“ Rafael (10) würde gerne mal in der Nationalmannschaft spielen, allerdings nicht in der deutschen. Er hat portugiesische Wurzeln und findet nicht Poldi, Schweini oder Ballack super, sondern Cristiano Ronaldo. Die Frage erübrigt sich, für wen er bei der EM ist.
Während über den Lessenicher Sportplatz am Alten Heerweg ein eisiger Wind fegt, machen die Jungs unter Anleitung von Trainer Kunst Stretching-Übungen. Raphael mit „ph“ macht zwar folgsam mit, kann sich einen Scherz aber nicht verkneifen. Als er fotografiert wird, sagt er: „Ich will demnächst bei Germany’s next Topmodel einsteigen.“ Solange er darüber nicht den Fußball vernachlässigt, kann er das ruhig tun. (sas)
Weitere Informationen: www.rwl1997.de