
Bonner Kampfkünstler haben seit April 2011 eine eigene Volleyballabteilung und spielen jetzt im Mixed in der Freizeitklasse
Sachen gibt’s, die gibt’s eigentlich nicht. Das denkt der Betrachter, wenn er den Verein Capoeira Regional e Angola Bonn besucht und feststellt, dass die Kampfkünstler eine Volleyballabteilung gegründet haben. Das Training in der Grundschulturnhalle an der Wegelerstraße sieht dementsprechend aus: Erst spielt die gesamte Gruppe eine Stunde Volleyball, dann trainieren die Capoeira-Fans ihren Sport, während die Volleyballer weiter Bälle pritschen und baggern. Passt das denn zusammen?
Ja natürlich, sagt Trainer Ceol-Ki Ji, der ohne Weiteres als Kampfkünstler durchgeht, aber auch beim Volleyball eine gute Figur macht. „Wir haben 2003 mit Capoeira angefangen“, berichtet er. „Und seit April 2011 haben wir eine Volleyballabteilung und nehmen aktiv an Spielen teil.“ Dabei handelt es sich um Mixed-Spiele im so genannten Breiten-Freizeit-Sport (BFS), Kreisklasse Bonn. Drei Männer und drei Frauen spielen in dieser Klasse gemeinsam auf dem Feld – und haben stets eine Menge Spaß dabei.
Kein Leistungsdruck
Valerie (17) berichtet, dass sie über eine Freundin in die neu gegründete Abteilung gekommen ist. „Es gibt hier nicht so den Leistungsdruck, dass man sich ständig beweisen muss.“ Das empfindet Valerie als sehr angenehm. Ein weiterer Pluspunkt: Als Neuling müsste sie im ambitionierten Volleyballverein vielleicht erst einmal die Bank drücken. Bei Capoeira Bonn kann sie sofort mitmischen. „Man lernt dann natürlich umso schneller, wenn man Spielpraxis hat.“
Trainer Ceol-Ki Ji nimmt das Volleyballtraining genau so ernst wie die Kampfkunst. Zügig wird in der hellen Halle ein Netz aufgebaut. Beim Einschlagen werden alle Techniken geübt, die Mitspieler regelmäßig durchgewechselt. Dann geht es an die Feinarbeit. „Wir üben heute den Angriffsschlag“, sagt Ceol-Ki Ji und baut einige Kisten am Netz auf. Darauf können sich die Spieler stellen und aus erhöhter Position dauerschmettern. „Dann habt ihr sofort ein Erfolgserlebnis“, sagt der Trainer und schmunzelt. Dann gibt er Anweisungen wie „Eine Bewegung“, „Schnappbewegung“, „Langer Arm, ohne dabei zu schieben“ – und die Mitspielerinnen im Feld gegenüber versuchen, die Schmetterbälle abzuwehren. Am Ende geht der Spieler-Trainer auch selbst ans Netz. „Bitte auch so die Bälle beim Spiel“, sagt er.
Dank für neue Trikots
Ceol-Ki Ji bedankt sich bei SWB Energie und Wasser, dass die neue Volleyball-Abteilung Trikots bekommen hat. Ganz umsonst war das natürlich nicht, denn auch die Capoeira-Künstler haben sich per Video bei der Aktion „Immer am Ball“ beworben. Vielleicht war es auch die ungewöhnliche Kombination dieser beider Sportarten, die in den Augen der Jury ein paar Pluspunkte eingebracht hat.
Dann erzählt Ceol-KI Ji auch noch ein paar Hintergründe zum Capoeira, der eleganten brasilianischen Kampfkunst, die man schon mal bei Sommer- oder Sportfesten in Bonn sieht. Capoeira wird auch Kampftanz genannt, weil die Künstler dabei musizieren. Die Teilnehmer stehen im Kreis und machen Musik. In der Mitte treffen sich immer wieder zwei Kontrahenten, die miteinander kampftanzen. „Capoeira kommt aus Brasilien“, sagt Ceol-Ki Ji. „Darin sind sehr viele Einflüsse enthalten von afrikanischen Sklaven, die nach Brasilien entführt wurden.“ Der Trainer glaubt aber nicht der Legende, nach der die Sklaven diese Verteidigungsart erfanden, um sie als Tanz zu tarnen. In den Capoeira fließen Techniken aus der Selbstverteidigung ein, wie man sie aus anderen Kampfsportarten kennt. Im Hintergrund läuft die typische Capo-Musik, die man auch selbst spielen kann mit Instrumenten. „Das machen wir aber nicht so oft“, sagt Ceol-Ki Ji. Zur Capoeira-Gruppe gehören etwa 20 Sportler.
Akrobatik und Breakdance
Dariush (12) ist seit gut einem Jahr dabei. „Es macht Spaß“, sagt er. „Mir gefällt besonders das Tänzerische daran. Und ich möchte gerne Akrobatik können.“ Diese Elemente gehören nämlich auch dazu, ebenso wie Bewegungsabläufe, die man aus dem Breakdance kennt. In dieser Szene kennt sich Moritz (18) aus. Er baut mit Capoeira systematisch Muskeln und Stabilität auf, Kondition und Sprungkraft. Die Matten schützen im Training zudem vor unangenehmen Verletzungen. Moritz war zuvor meistens allein tätig: „Das hier ist meine erste Erfahrung im Teamsport. Das gefällt mir sehr gut.“ Dariush und Moritz spielen auch sehr gerne Volleyball – und das nicht nur, um sich aufzuwärmen. (sst)