

Die Prellball-Jugend des ATV Bonn gehört einer verschworenen Gemeinschaft im Deutschen Turnerbund an. Schüler- und Jugend-Team wollen in dieser Saison das Ticket für die Deutsche Meisterschaft lösen
Ein Besuch bei den Prellballern des ATV Bonn bringt einige spannende Erkenntnisse über diese eher exotische Sportart zu Tage.
Erstens scheint Prellball so etwas wie das Schnabeltier des Ballsports zu sein: So schlagen die Spieler den harten Prellball wie beim Tennis über ein Netz, das allerdings nur 40 Zentimeter hoch ist und ein Spielfeld von 16 mal 8 Metern trennt. Beim Auschlag „prellt“ der Spieler den Ball zunächst in der eigenen Hälfte auf – ähnlich wie beim Tischtennisaufschlag. Der Gegner darf den Ball nach der Annahme dann bis zu dreimal in den eigenen Reihen spielen – ähnlich wie beim Volleyball. Schließlich wird Prellball nicht um Sätze gespielt, sondern auf Zeit – wie Handball oder Fußball. „Zwei mal zehn Minuten dauert ein Spiel“, erklärt Matthias Schriever, der mit seiner Frau Carola die Prellball-Schüler (11 bis 14 Jahre) und -Jugendlichen (15 bis 18) des ATV trainiert. Um die 40 Punkte kommen in einem Spiel pro Team zusammen.

Zweite Erkenntnis: Prellball ist schnell, hart und Kraft raubend. Die Trikots von SWB Energie und Wasser sind beim Training in der Tannenbuscher Gesamtschulsporthalle jedenfalls schon frühzeitig durchnässt. Laut Schriever kann der Prellball im Jugendbereich bis zu 80 Stundenkilometer erreichen, bei den Erwachsenen sogar Tempo 100. „Da kommt es auf sehr gute Reaktionen an“, so Schriever. „Antizipation – also erahnen, was der Gegner vorhat – ist dabei ein ganz wichtiger Punkt.“
Oliver (16) hat bereits an Deutschen Meisterschaften teilgenommen und beim Deutschlandpokal das Land NRW vertreten. Seine Faust kann Geschichten erzählen, sie ist gerötet und gestählt. „Wenn man einsteigt, kriegt man leicht blaue Hände oder mal einen Kapselriss“, sagt er lapidar. „Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran.“ Martin (14) ergänzt: „Wenn man’s richtig macht, tut’s gar nicht weh.“
Dritte Erkenntnis: Prellball ist ein exklusiver Sport. Wie Trainer Schriever erläutert, hatte die Turndisziplin ihre Hoch-Zeit in den siebziger Jahren. „Es gab überall aktiv spielende Prellballer, aber Jugendarbeit hat keiner gemacht.“ Er schätzt, dass es bundesweit deshalb nur noch 6.000 Aktive gibt, im Rheinland 500 – Tendenz fallend. Auf die Frage, warum er Prellball spielt, antwortet Schüler-Spieler Martin ironisch: „Weil’s jeder spielt.“ Er habe diesen Sport gerade deshalb gewählt, weil ihn nicht jeder betreibe.

Vierte Erkenntnis: Je weniger Aktive, desto weiter die Fahrten zu den Meisterschaftsspielen. „Wir müssen schon mal nach Grevenbroich oder Erftstadt oder Wuppertal“, sagt Trainer Schriever. Ohne die Unterstützung der Eltern sei das natürlich nicht möglich. Aber es lohnt sich: AB-Jugend und CD-Schüler sind beide rheinischer Meister geworden – und sogar noch ungeschlagen. „Ich bin sehr stolz auf diese Truppe“, sagt Schriever. Anfang März wollen die Jungs bei den Westdeutschen Meisterschaften in Reinheim bei Darmstadt die Tickets für die Deutsche Meisterschaft lösen. Beide Teams haben Chancen, sagt Schriever, die jüngeren Spieler sogar noch mehr als die älteren: „Es kommt aber auf das Nervenkostüm und die Tagesform an.“
Die fünfte und letzte Erkenntnis formuliert Trainer Schriever selbst: „Prellball ist ein absolutes Mannschaftsspiel. Wenn das Team nicht harmoniert, kannst du’s vergessen.“ Deshalb freut sich der Coach, dass sich die Jungs auch außerhalb des Spielfeldes treffen und so den Zusammenhalt pflegen. Die Prellballer im ganzen Deutschen Turnerbund bilden laut Schriever eine verschworene Gemeinschaft. „Sogar unter Gegnern gibt es sehr viele freundschaftliche Beziehungen.“
Weitere Informationen: www.atvbonn.de