
Beim ASV Bonn gehen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam auf Korbjagd. Kinder und Jugendliche lernen wichtige Alltagstechniken im Umgang mit Rollstühlen
Dass allein Menschen mit Behinderung Rollstuhlbasketball spielen, ist ein Mythos, der sich besonders hartnäckig hält. Beim ASV Bonn sind auch die so genannten Fußgänger herzlich eingeladen mitzuspielen. „Wir sind immer froh, wenn das gut gemischt ist“, sagt Trainerin Ute Herzog, selbst Fußgängerin. Im Rollstuhlbasketball ist es sogar so, dass Nichtbehinderte auch im Leistungssport bis auf Bundesebene mitmachen können. Nur an den Ländergrenzen macht diese Form des Miteinanders irgendwann halt.
Ute Herzog trainiert gemeinsam mit Antje Garbe und Katharina Küpper die Rollstuhlsport-Gruppen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, wobei sich Letztere schon ganz auf das Basketballspiel konzentrieren. In der Kinder-Rollstuhlsport-Gruppe für Drei- bis Zwölfjährige geht es dagegen nicht nur um den Ball. Hier werden die Grundlagen vermittelt: Fahrtechniken, Beweglichkeit und Sicherheit im Umgang mit dem Rollstuhl sowie das Spielen und die Freude am Spiel miteinander.
"Mitmachen ist immer besser"
„Dann treffen wir uns mal alle in der Mitte“, sagt Ute Herzog, und die jungen Rollstuhlsportler fahren zum Mittelkreis. Ihre Rollstuhlräder sind teilweise bunt verziert: mit einem Robbie-Williams-Fanposter, einer Madagaskar-Scheibe oder dem Verbandslogo DRS Kinder- und Jugendsport. „Mitmachen ist eigentlich immer besser“, sagt Ute Herzog, damit der Gast ein Gefühl für das Fahren bekommt. Leider ist heute aber kein Erwachsenenrollstuhl mehr frei.
Dafür erklären die jungen Rollstuhlsportler ganz genau, worauf es in ihrem Sport ankommt. Laurin (11) demonstriert die zentrale Übung in der Gruppe: das Ankippen und Balancieren auf den Hinterrädern. „Damit man selbst einen Bürgersteig hochkommt.“ Wenn man das kann, ist das schon eine super Voraussetzung, sagt Ute Herzog. Und alltagstauglich ist der Sport auch, nicht zuletzt durch Schnelligkeits- und Geschicklichkeitsspiele wie das Fangspiel „Eisbär“. Zwei Wände, ein Fänger auf der einen Seite, die zu Fangenden auf der anderen Seite. Wer gefangen wird, hilft dem Eisbär in der nächsten Runde, indem er den übrigen Fischen den Weg verstellt, sozusagen als Eisscholle einen Block setzt.
Entfernung zum Korb ist größer
Trainerin Katharina Küpper erläutert, dass die Spiele in der Kindergruppe teilweise auch auf den Rollstuhlbasketball vorbereiten, zum Beispiel mit den Fangspielen, bei denen die Kinder lernen, anderen den Ball so zuzuwerfen, dass er leicht zu fangen ist. „Es gibt manche, die sagen, das ist einfacher als Fußgängerbasketball“, sagt Katharina Küpper. Aber vielleicht ist auch das wieder nur ein Mythos, denn immerhin ist die Entfernung vom Rollstuhl zum Korb größer. Und: „Wir müssen darauf achten, wie wir schieben.“ Die Schrittfolge sei im Rollstuhlbasketball genau so wichtig wie bei den Fußgängern. „Ich glaube, dass das gar nicht so großartig anders ist.“
Wer sich die Spiele des JUROBA-Cups am zweiten Oktober-Wochenende in der Tannenbuscher Halle des Schulzentrums ansieht, entdeckt aber doch einige kleine Unterschiede: Der Platz unter dem Korb ist viel enger, weil die Spieler in ihren Rollstühlen viel breiter sind als Fußgänger. Es kommt also ganz stark auf die Taktik an. Die lernen die Sportler des ASV Bonn schon in der Jugend-Rollstuhlsport-Gruppe, die mittwochs nach der Kindergruppe trainiert.
Fußballer und Basketballer
Dani (19) möchte in der Gruppe noch mehr Taktik lernen – und vor allen Dingen, auf dem Feld schnell umzuschalten von Abwehr auf Angriff. Das passt zu seinem Lieblingsfußballverein Borussia Dortmund, dessen Vereinslogo er auf den Rädern seines Rollstuhls trägt. Tim (16) dagegen ist Fan der Fußballer des FC Bayern und freut sich besonders darüber, dass die Münchner jetzt auch eine Bundesliga-Basketballmannschaft haben. Tim steht neben seinem Rollstuhl und pumpt die Reifen auf, damit er noch schneller durch die Halle flitzen kann. Der 16-Jährige spielt schon seit etwa drei Jahren Rollstuhlbasketball, und es macht ihm riesigen Spaß.
"Funny Fishes Feel Free"
Die Freude kann verstehen, wer die jugendlichen Nachwuchstalente durch die Halle rollen sieht. Mancher schafft es sogar, mit einer Hand den Rollstuhl anzutreiben und mit der anderen bei voller Fahrt einen Ball vom Boden aufzuheben. „Wheel Attack“ steht auf einem Rollstuhl, „Funny Fishes Feel Free“ auf einem T-Shirt und „SWB Energie und Wasser“ auf den Trikots der Basketballspieler. Beim diesjährigen JUROBACUP Turnier am 15. Oktober in Bonn konnten die Spieler des ASV Bonn, die mit 4 Teams starteten, die neuen Trikots gebührend einweihen und machten „Immer am Ball“ damit alle Ehre. (sst)